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Die Phasen der Alkoholkrankheit Die erste und bis heute grundlegende Untersuchung über die Krankheit Alkoholismus stammt von dem amerikanischen Professor Dr. E. M. Jellinek. Im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation untersuchte er mehrere Tausend Fallgeschichten von Alkoholikern und fasste das Ergebnis in einem Schema von 4 Phasen und - innerhalb dieser - 45 Stufen zusammen. Die Reihenfolge der 4 Phasen steht fest, wobei diese jedoch oft unmerklich ineinander übergehen. Hingegen bedeutet die Aufzählung der 45 Stufen nicht, dass der Alkoholiker diese alle durchlaufen muss oder genau in dieser Reihenfolge. Die Stufen sind vielmehr besonders typische Merkmale oder Symptome der fortschreitenden Alkoholkrankheit. Im Einzelfall können viele übersprungen werden oder auch fortfallen; nicht erwähnte Merkmale können evtl. hinzukommen. Bildhaft lässt sich sagen: Die Stufen treffen gleich Mosaiksteinen aufeinander und zeichnen in ihrer Gesamtheit das Bild des Alkoholikers. Die bedeutungsvollste Stufe ist die 8., der Kontrollverlust. Hier trennt sich unwiderruflich der Alkoholiker vom ("Nur-") Trinker (oft verstanden als Gesellschafts-, Erleichterungs- oder "Problemtrinker"). Ab dieser Stufe kann man im engeren Sinne von einer Erkrankung sprechen; mit dem Kontrollverlust zeigt sich beim Alkoholiker ein Krankheitssymptom, das er weder willentlich steuern noch zum Verschwinden bringen kann. Es gibt dann kein Zurück mehr zum "normalen Trinken" und keine "Heilung" der Abhängigkeit, sondern die Krankheit kann nur noch durch dauernde und vollständige Abstinenz zum Stehen gebracht werden. Spätestens vom Eintritt der Stufe 8 an ist es auch sinnlos und falsch, das Verhalten des Alkoholikers moralisch zu bewerten. Während der Trinker noch für Art und Menge des Alkoholgebrauches durchaus verantwortlich ist, verliert der Alkoholiker schon nach kleinsten Mengen die Herrschaft, die "Kontrolle" darüber, ob und wie viel er weiter trinken wird; es setzt eine - krankheitsbedingte - Willenslähmung ein, gerade bezüglich der weiteren Alkoholaufnahme, die dann geradezu zwanghaft und oft gegen alle guten Einsichten und Vorsätze erfolgt. Der "Kontrollverlust" ist nicht zu verwechseln mit der Erinnerungs- oder Gedächtnislücke, auch "Filmriss" oder "Black-out" genannt .
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A. Voralkoholische Phase Gelegentliches Erleichterungstrinken Erhöhung der Alkoholtoleranz Häufiges Erleichterungstrinken. Der erste Beginn des Konsums alkoholischer Getränke ist bei dem potentiellen Alkoholiker meist sozial motiviert, wie bei jedem anderen auch. Im Gegensatz zum durchschnittlichen Gesellschaftstrinker empfindet der spätere Alkoholiker bald eine befriedigende Erleichterung beim Trinken. Dabei schreibt er seine Erleichterung eher der Situation als dem Trinken zu, z.B. der lustigen Gesellschaft, dem Fest, dem Kegeln oder Skatspielen usw.; daher sucht er Gelegenheiten, in denen beiläufig getrunken wird. Nach einer bestimmten Zeit des Trinkens wird eine Erhöhung der Alkoholtoleranz festgestellt, d.h. der Trinker braucht eine größere Menge Alkohol als früher zur Erreichung des gewünschten euphorischen Stadiums. Diese Trinkmethode dauert je nach Umständen Monate und Jahre, - sie geht vom Stadium des gelegentlichen zum häufigeren Erleichterungstrinken über. Im gleichen Maße fällt die Toleranz des Trinkers für seelische Belastungen in solch einem Umfang ab, dass er praktisch täglich Zuflucht zur alkoholischen Erleichterung nimmt. Sein Trinken erscheint jedoch weder seinen Angehörigen, Freunden noch ihm selbst verdächtig.
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B. Anfangsphase |
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1. Gedächtnislücken
Plötzliches
Auftreten von Erinnerungslücken - medizinisch Amnesien genannt. Sie können ohne
Anzeichen von Trunkenheit auftreten. Der Trinker kann eine vernünftige
Unterhaltung führen oder schwierige Arbeit leisten, ohne am nächsten Tag eine
Erinnerung daran zu haben, wenn auch noch einzelne Erinnerungsfetzen
bestehen. Der Alkohol hört praktisch auf, ein Getränk zu sein, sondern er
wird als "Medizin" benötigt, die der Trinker braucht. |
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2. Heimliches Trinken
Aus
dem Unterbewussten entwickelt sich bei dem Trinker die vage Vorstellung, dass
er anders als andere Leute trinkt. Um nun nicht aufzufallen oder falsch
beurteilt zu werden, sucht er bei Geselligkeiten Gelegenheiten zum Trinken
von ein paar Gläsern ohne das Wissen der anderen; er trinkt
"heimlich". |
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3. Dauerndes Denken an Alkohol
Ohne
sich dessen recht bewusst zu werden, denkt der Trinker oft und über das
normale Maß hinaus an Alkohol, ein Beweis für seinen erhöhten Bedarf. |
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4. Gieriges Trinken
Wegen
seiner vermehrten Alkoholabhängigkeit tritt jetzt das "gierige
Trinken", nämlich das hastige Herunterkippen der ersten Gläser, auf. |
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5. Schuldgefühle wegen der Trinkart
Da
der Trinker sich allmählich bewusst wird, dass sein Trinken ungewöhnlich ist,
entwickeln sich bei ihm "Schuldgefühle" wegen seiner Trinkart. |
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6. Vermeiden von Anspielungen auf Alkohol
Aus
dem vorgenannten Schuldgefühl heraus beginnt der Trinker, bei Unterhaltungen
"Anspielungen auf Alkohol" zu vermeiden. |
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7. Häufigkeit der Gedächtnislücken
Die Häufigkeit von Gedächtnislücken, in Verbindung mit dem Verhalten 2.-6., wirft den Schatten der Alkoholsucht voraus und sollte dem Trinker als dringende Warnung dienen.
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C. Kritische Phase |
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8. Unwiderstehliches Verlangen nach mehr
Der Trinker hat in der konkreten Situation noch immer die Entscheidungsfreiheit darüber, ob er trinken will oder nicht. Das wird allein durch die freiwilligen abstinenten Perioden bewiesen, die oft nach derartigen Exzessen eingehalten werden. In diesem Zusammenhang
wird oft die Frage erhoben, warum der Trinker nach seinen verhängnisvollen
Erfahrungen anlässlich seiner wiederholten Exzesse denn dann immer wieder
anfängt zu trinken. Er ist in diesem Stadium bereits alkoholabhängig
geworden, wenn es ihm auch nicht bewusst ist. Sein Wille in Verbindung mit
Alkohol ist mindestens beeinträchtigt, er selbst jedoch glaubt, dass er seine
diesbezügliche Willenskraft nur vorübergehend verloren hat und sie daher
wiedererlangen kann und muss. Er ist sich jedoch darüber nicht im klaren,
dass in ihm ein Vorgang (Abhängigkeitserkrankung) abgelaufen ist, der es ihm
unmöglich macht, seinen Alkoholkonsum über längere Zeiträume hinweg
einzuschränken oder zu kontrollieren. |
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9. Erklärungen, warum man so trinke (Alkoholausreden, Alibis)
Mit
dem Einsetzen des Kontrollverlustes beginnt der Alkoholiker sein
Trinkverhalten zu erklären und schafft sich durch "Alkoholausreden"
Alibis, d.h. Erklärungen, die ihn selbst davon überzeugen sollen, dass er die
Kontrolle nicht verloren hat. Er redet sich selbst ein, dass er
"guten" Grund zum Sichbetrinken habe und er ohne "diesen"
Grund genauso mäßig oder überhaupt nicht wie die anderen trinken könne. Hier
setzt der große unbewusste Selbstbetrug des Alkoholikers ein und damit verbunden
der Betrug an seiner Umwelt. |
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10. Soziale Belastungen
Dieser
Selbstbetrug ist nun beim Alkoholiker der Anfang eines ganzen
"Erklärsystems", das sich immer mehr auf jede Ebene seines Lebens
ausbreitet. Dieses "System" dient nun auch als Widerstand gegen die
"sozialen Belastungen", die zusammen mit dem
"Kontrollverlust" entstehen. Seine Trinkart fällt unterdessen auch
der Umwelt auf. Angehörige, Freunde, Kollegen und Arbeitgeber beginnen, den
Alkoholiker zu tadeln oder zu warnen. |
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11. Übergroße Selbstsicherheit
Auf
das Verhalten der Umwelt reagiert der Alkoholiker mit "übergroßer
Selbstsicherheit" nach außen, obwohl bei ihm selbst ein deutlicher
Verlust an Selbstachtung einsetzt. Er versucht, diesen Verlust durch
Extravaganz und Großspurigkeit zu kompensieren, um sich selber davon zu
überzeugen, dass er noch nicht so schlecht dran ist, wie er manchmal gedacht
habe. |
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12. Auffällig aggressives Benehmen (die anderen sind schuld)
Durch
sein "Erklärsystem" isoliert sich der Alkoholiker in zunehmendem
Maß von seiner Umwelt, die in seinen Augen an allem schuld ist. Auf dieses
angebliche "Schuldsein" der Umwelt reagiert er dann mit auffällig
aggressivem Benehmen. |
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13. Innere Zerknirschung, dauerndes Schuldgefühl
Das
auffällige Verhalten des Alkoholikers gegenüber seiner Umwelt reflektiert auf
ihn selbst und ruft nun auch in ihm Schuldgefühle hervor, die zur inneren
Zerknirschung führen. Diese Zerknirschung sucht er erneut mit Alkohol zu
überspielen, und so setzt der circulus vitiosus (Teufelskreis) ein. |
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14. Perioden völliger Abstinenz
Bisweilen
gelingt es dem Alkoholiker, diesen "circulus vitiosus" zu
durchbrechen, indem er Perioden völliger Abstinenz durchläuft. Dabei folgt er
dann auch dem zunehmenden sozialen Druck. |
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15. Änderung des Trinksystems
Die
abstinenten Perioden führen jedoch wieder zum Rückfall, da er seinem
Grundübel, dem "Selbstbetrug", nicht begegnet und daher dem ständigen
inneren Druck nicht standhält. Aus diesem "Selbstbetrug" heraus
ändert der Alkoholiker jetzt sogar sein Trinksystem, indem er sich selber
"Regeln" aufstellt, so z.B. nicht vor einer bestimmten Tageszeit zu
trinken oder nur an bestimmten Orten, oder nur diese und jene Art und Menge
Alkohol zu trinken, usw. |
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16. Fallenlassen von Freunden (Feindseiligkeit gegen die Umwelt)
Die
Umwelt erkennt natürlich die Änderung der Verhaltensweise des Alkoholikers,
entlarvt ihn ob seiner "scheinbaren" Abstinenz und durchschaut die
Änderung seines "Trinksystems". Darauf reagiert der Alkoholiker mit
Feindseligkeit und lässt seine Freunde fallen. |
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17. Verlassen oder Wechseln des Arbeitsplatzes
Das
Verlassen oder Wechseln des Arbeitsplatzes ist nur eine Konsequenz aus seinem
feindseligen Verhalten gegenüber der Umwelt. Freunde und Bekannte lassen den
Alkoholiker fallen, oft verliert er auch den Arbeitsplatz. In vielen Fällen
übernimmt er auch in dieser Richtung selber die Initiative als
vorausschauende Verteidigung und zum Sich-Entziehen unliebsamer Tadel und
Mahnungen. |
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18. Konzentrierung des Benehmens auf Alkohol
Da
sich der Alkoholiker immer mehr verlassen sieht, konzentriert er sich im
verstärkten Maß auf den Alkohol als "Medizin und Seelentröster". |
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19. Verlust an äußeren Interessen
Der
Alkoholiker denkt darüber nach, wie eine bestimmte Arbeit sein Trinken stören
könnte (statt umgekehrt) und lehnt alle Interessen ab, die ihn daran hindern
können. |
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20. Neuauslegung mitmenschlicher Beziehungen
Im
Alkoholiker verstärkt sich zunehmend das Gefühl, dass die Umwelt an seinem
Fehlverhalten schuld sei. Dieses Gefühl ruft in ihm eine immer stärker
werdende Anspruchshaltung hervor, aus der heraus er nur noch den Wert oder
Unwert seiner mitmenschlichen Beziehungen bemisst. |
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21. Auffallendes Selbstmitleid
Diese
Auslegung seiner mitmenschlichen Beziehungen ist mit einem auffallenden
Selbstmitleid verbunden. Er kann doch nichts dafür, die anderen wollen ihm
doch immer etwas! |
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22. Gedankliche oder tatsächliche Flucht
Sein
"Erklärsystem", seine "Isolation" und sein
"Selbstmitleid" haben jetzt derartige Formen angenommen, dass der
Alkoholiker versucht, sich den daraus entstandenen Problemen durch
gedankliche Flucht (sich selber etwas vorgaukeln und gedanklich in eine
bessere Atmosphäre versetzen) oder tatsächliche (geographische) Flucht zu
entziehen. |
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23. Änderungen im Familienleben
Unter
dem Eindruck dieser Vorfälle tritt eine Änderung im Familienleben ein. Nicht
nur der Alkoholiker hat sich zunehmend isoliert, sondern auch seine
Familienangehörigen ziehen sich zunehmend von ihm zurück. Auch entwickeln sie
eine ausgiebige Betriebsamkeit, um dadurch der häuslichen Umgebung zu
entkommen. |
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24. Grundloser Unwillen
Der
Alkoholiker selbst lebt jetzt in einem anhaltenden Spannungszustand, der oft
bei ihm grundlosen Unwillen auslöst. |
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25. Sichern des Alkoholvorrats
Das
vorherrschende Interesse an Alkohol veranlasst den Alkoholiker, sich seinen
"Alkoholvorrat" immer zu sichern, wobei er auch dazu übergeht, ihn
zu verstecken. |
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26. Vernachlässigung angemessener Ernährung
Sowohl
das "Sichern des Alkoholvorrats" als auch die ersten Auswirkungen
auf den Organismus durch das ständige Trinken (Appetitlosigkeit) bringen den
Alkoholiker dazu, seine Ernährung zu vernachlässigen bzw. sich völlig
einseitig zu ernähren (Kotelett, Frikadellen, Würstchen, Brühen usw. -
Vitaminmangel). |
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27. Erste Krankenhauseinweisung wegen alkoholischen Beschwerden
Die
ersten organischen Schäden werden akut (Gastritis, Leberschäden, neurotische Störungen),
stationäre Behandlung wird erforderlich. |
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28. Abnahme des Sexualtriebes
Während
sich zu Beginn der Trinkerzeit eine erhöhte Potenz bemerkbar machte und an
die Ehefrau oft unzumutbare Forderungen gestellt wurden, zeigt sich jetzt eine
zunehmende Impotenz des Alkoholikers. |
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29. Alkoholische Eifersucht
Auf
Grund der eigenen zunehmenden Impotenz steigert sich beim Alkoholiker die
Feindschaft gegen seine Ehefrau. Er unterstellt ihr außerehelichen
Geschlechtsverkehr und verfällt dadurch in die "alkoholische
Eifersucht". Reaktionen seiner Ehefrau auf sein Fehlverhalten werden von
ihm grundsätzlich missverstanden, ein anderer Mann wird dahinter vermutet. |
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30. Regelmäßiges morgendliches Trinken
In diesem Stadium haben Gewissensbisse, Unwillen, Kampf zwischen Alkoholverlangen und Pflichten, Verlust der Selbstachtung und Selbstmitleid, Zweifel und Selbsttäuschung den Alkoholiker so zerrüttet, dass er den Tag nicht beginnen kann, ohne sich nach dem Aufstehen oder noch vorher mit Alkohol zu beruhigen. Ja, er kann schon seine Arbeit ohne Alkohol nicht mehr ausführen. Durch den bisherigen Prozess des Alkoholismus ist die moralische und körperliche Widerstandskraft des Alkoholikers schon völlig untergraben.
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D. Chronische Phase |
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31. Einsetzen des verlängerten Rausches
Die
zunehmend beherrschende Rolle des Alkohols und das durch das morgendliche
Trinken entstandene "Verlangen" brechen schließlich den Widerstand des
Alkoholikers. Er ist jetzt auch am hellen Tag und bisweilen öfters in der
Woche betrunken. Oft verharrt er mehrere Tage hintereinander in diesem
Zustand, so dass er dem "verlängerten Rausch" unterliegt, bis er
völlig unfähig ist (geistig und körperlich), noch etwas zu unternehmen. |
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32. Bemerkenswerter ethischer Abbau
Die
mit diesen anhaltenden Exzessen verbundene Gleichgültigkeit gegenüber der
Umwelt haben bei dem Alkoholiker einen erheblichen ethischen Abbau zur Folge. |
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33. Beeinträchtigung des Denkens
Auch
das Denkvermögen weist erhebliche Ausfallerscheinungen auf. Sachliche
Überlegungen vermag der Alkoholiker nicht mehr anzustellen, seine Gedanken
verfolgen nur noch "krumme Wege". |
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34. Alkoholische Psychosen
Bei
vielen Alkoholikern treten in diesem Stadium die ersten "alkoholischen
Psychosen" auf, das sind durch Alkohol bedingte Geistesstörungen,
Halluzinationen, psychosomatische und psychoasthenische Reaktionen. |
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35. Trinken mit Personen unter Niveau
Der
Verlust der Moral und oft auch der Verlust der eigenen sozialen Stellung
bewirken häufig, dass der Alkoholiker nach dem Motto: "Unter den Blinden
ist der Einäugige König" mit Personen weit unter seinem Niveau trinkt,
oder allgemeiner: mit Personen, mit denen er sonst im Leben kaum Kontakt
suchen würde. |
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36. Zuflucht zu technischen Produkten
Wenn
der Alkoholiker nichts anderes hat oder seine finanziellen Mittel nicht mehr ausreichen,
nimmt er zur Befriedigung seiner Gier Zuflucht zu technischen Produkten, wie
Kölnisch Wasser oder Haarwasser, Franzbranntwein oder minderwertigem Wermut. |
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37. Verlust der Alkoholtoleranz
Geistige
und körperliche Widerstandskraft sind abgebaut, der Alkoholiker benötigt
keine große Menge mehr, um in den Vollrausch zu kommen. Jedoch der Vollrausch
wird in seiner Wirkung immer kürzer. Das Trinken wird daher immer hektischer,
der circulus vitiosus rotiert immer schneller. |
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38. Undefinierbare Ängste und Zittern werden Dauererscheinungen
Anhaltendes Zittern (Tremor), |
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40. Organische Nervenschädigungen (Polyneuropathie)
Infolge
der chronischen Alkoholintoxikation (Vergiftung) treten länger dauernde
Schädigungen des peripheren Nervensystems auf, die also auch noch nach dem Entzug
Störungen verursachen: Kribbeln und Taubheitsgefühle (sensibles
Nervensystem), Greif- und Gangstörungen (motorisches Nervensystem) -
vorwiegend in Händen, Armen, Füßen, Beinen. |
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41. Trinken wird Besessenheit
Aus
der Notwendigkeit heraus, Ängste, Zittern, Hemmungen usw. zu überwinden,
sieht der Alkoholiker sich gezwungen, ständig zu trinken. Damit nimmt sein
Trinken den Charakter der Besessenheit (Obsession) an. |
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42. Unbestimmte religiöse Wünsche
Da
der Alkoholiker für sein Fehlverhalten, das er allmählich als solches erkannt
hat, immer weniger eine Erklärung findet, gibt er sich dubiosen
"religiösen" Vorstellungen hin, die sich bis zum "religiösen
Wahn" steigern können. |
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43. Das Erklärsystem versagt
Aber
auch die vorerwähnten "religiösen Vorstellungen und Wünsche"
vermögen dem Alkoholiker keine Antwort auf seine ständige Frage nach dem
"Warum" zu geben. Die Erklärungen, die er sich aus seinem eigenen
"Erklärsystem" gibt, werden so häufig und unbarmherzig der
Wirklichkeit gegenübergestellt, dass sie vollständig versagen. Er weiß sich
keine Antwort mehr und gesteht seine Niederlage ein. |
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44. Zusammenbrüche
Als
Folge dieser Niederlagen ergeben sich für den Alkoholiker seelische Zusammenbrüche,
oft verbunden mit der "alkoholischen Epilepsie". Diese
Zusammenbrüche sind oft so schwerer Natur, dass die ärztliche Behandlung
unbedingt notwendig ist. Selbstmordversuche sind in diesem Stadium nicht
selten. |
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45. Alkoholdelirium
Beim Alkoholiker tritt - meist im Entzug - ein hochgradiger Verwirrtheitszustand auf, mit Wahnideen und schwerer motorischer Unruhe (evtl. mit Fieber verbunden; der Ausgang kann tödlich sein). Wird in dieser Stufe (Endstufe) das Stadium der Korsakow'schen Erkrankung erreicht, ist die Zerstörung der Gehirnzellen irreparabel. Korsakow-Syndrom: psychischer Folgezustand nach schweren toxischen, infektiösen, traumatischen oder arteriosklerotischen Hirnschädigungen. Symptomkomplex, der gekennzeichnet ist durch hochgradige Störungen der Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Auffassung und Reproduktion sowie Gedächtnisausfälle, die durch Erinnerungsfälschungen (Konfabulationen) ersetzt werden; daneben zeitliche und örtliche Desorientierung, euphorische, später stumpfe und gleichgültige Stimmungslage, Initiativlosigkeit und rasche Ermüdbarkeit. Der
Alkoholische Korsakow (Korsakow-Psychose) beginnt meist mit einem Delirium
tremens und ist oft verbunden mit der alkoholischen Polyneuropathie. |
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